Safe and Sound-Protocol (SSP)

Musik-Therapie


Stimulation des Vagus-Nervs über das Mittelohr


Es freut mich sehr, diese neue wegweisende Therapieform anbieten zu können, So große Worte nutze ich sonst nicht gern, aber hier trifft es zu: Was Dr. Stephen Porges, ein US-amerikanischer Neurowissenschaftler, in seinen 40 Jahren intensiver klinischer Forschung hiermit entwickelt hat, ist einzigartig.

In Deutschland gibt es bisher nur wenige SSP-Anwender, da das Gerät erst 2017 auf den thera-peutischen Markt kam. Es stecken jedoch Jahrzehnte wissenschaftlicher Forschung darin. Ursprünglich wurde das SSP erfolgreich zur Therapie von Autismus eingesetzt, bald zeigte sich aber das breitere Anwendungsfeld. Zur Wirksamkeit des SSP existieren bereits mehrere anerkannte, wissenschaftliche Studien (peer-rereviewed studies).


Wie SSP wirkt

Das Safe and Sound-Protocol ist ein spezielles Hörtraining zur Regulation des Autonomen Nervensytems. Mit Hilfe von eigens entwickelter, patentierter frequenz-modulierter Musik werden die Mittelohrmuskeln stimuliert. In einem dysregulierten Nervensystem sind die Muskeln des Mittelohrs hypoton (zu wenig Tonus), deshalb ist das Trommelfell weniger gut gespannt und - ohne es zu merken - hört der Mensch anders.

Das Ohr kann niederfrequente Töne und Hintergrundgeräusche nicht mehr herausfiltern, sondern überträgt diese "Signale der Gefahr" stetig ins Gehirn. Der betroffene Mensch ist neurologisch dauerhaft überlastet. Mental-kognitiv lässt sich daran wenig ändern. Wir fühlen uns (schnell) überlastet, können unsere Grenzen nicht spüren bzw. nicht halten, sind aufrbrausend oder zurückgezogen, haben körperliche Symptome vielerlei Art.

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Abb.: Laura Waldschütz (2020)

Unterhalb der Bewusstsseinschwelle nehmen wir Anzeichen von Gefahr wahr, wo eigentlich keine ist. Zeitgleich können wir menschliche Stimmen nicht mehr adäquat hören, um uns über sozialen Kontakt zu beruhigen (über den ventralen, jüngeren Ast). Die niederfrequenten Töne können von schlaffen Mittelohrmuskeln nicht mehr herausgefiltert werden und stressen somit das Nervensystem dauerhaft. Daraufhin ist ständig der Sympathikus zu aktiv und/oder der Erstarrungs-/Totstell-/Abtauchreflex ist angeschaltet (der dorsale, ältere Ast des Parasympathikus).

 

Die Folge ist ein Nervensystem, das in der Aktivierung (Stress, Wut, Fluchtimpulse, Erstarrung etc.) feststeckt und/oder sich ausschaltet (Depression, Dissoziation, Passivität, Sinnlosigkeit u.ä.).

 

Das kann vielerlei körperliche, emotionale und mentale Symptome zur Folge haben, denn unser Autonomes Nervensystem hat Einfluss auf Hormone, Gefühle, Empfindungen. Das SSP trainiert die Muskeln des Mittelohrs, indem es das "Social Engagement System" aktiviert. Das ist der jüngste Funktionskreis unseres Nervensystems und es ist im Stande den Sympathikus und Paraysmpathikus zu drosseln. Dieses Vermögen des Vagus-Nervs nennt man die "vagale Bremse".

 

Seit einiger Zeit ist der Vagus als "Selbstheilungsnerv" in aller Munde, denn er ist mit wichtigen Organen im Brust- und Bauchraum verschaltet: er reguliert die Herztätgikeit, die Lunge, den Magen und Darm, spielt im Immunsystem eine Rolle etc. Mit SSP nehmen Sie in dieses System direkt Einfluss.


Der ventrale Vagus im autonomen Nervensystem

Um zu verstehen, wie umfassend das Safe and Sound-Protocoll wirken kann, sollten wir verstehen, was das Autonome Nervensystem ist und wie es funktioniert. Hier kommen die Erkenntnisse von Dr. Stephen Porges ins Spiel, der nicht nur das SSP entwickelt hat, sondern auch eine wegweisende, neue Sicht auf das ANS, die Polyvagal-Theorie, entwickelt hat (1994). Diese neue Sicht auf das Nervensystem brachte in der Therapielandschaft eine Revolution in Gang und besonders Trauma-Therapeuten betteten Porges Erkenntnisse in ihre Therapiekonzepte ein, wie z.B. Peter Levine in Somatic Experiencing.

 

Dieses Erklärvideo des SE-Kollegen Matthias Timm beschreibt in sehr anschaulicher Weise die neue Sicht auf das ANS mit drei (statt nur zwei) Funktionskreisen. Wenn Sie sich dieses angesehen haben, werden Sie die Wirkungsweise des SSP besser nachvollziehen können.


Symptome, bei denen SSP helfen kann

Das SSP reguliert den gesamten Vagus-Zweig, deshalb hilft es neben den sozial-emotionalen Themen auch im Bereich des Herzens, der Lunge, des Magen-Darm-Traktes und auch bei (chronischen) Schmerzen.

  • Allgemeine Schwierigkeiten bei der Regulierung der eigenen Zustände
  • Langsame oder unvollständige Erholung nach unangenehmen Gefühlen
  • Chronische Schmerzzustände (z.B. Fibromyalgie)
  • Magen-Darm-Problemen und Verdauungsprobleme (Reizdarm, Obstipation, Durchfall)
  • Häufige Ohrentzündungen & "Dichte"-Gefühl Bereich der Nasennebenhöhlen
  • Ängste, Unruhe & depressive Verstimmungen
  • Schlafstörungen
  • Stress, der aus sozialen Interaktionen hervorgeht (Augenkontakt halten, Reden vor einer Gruppe, eigene Bedürfnisse zu kommunizieren, zuhören etc.)
  • Erleichterung von sozialer Kommunikation und Kontakt
  • Generelle Reizbarkeit
  • Sensorischen Überempfindlichkeiten (auditiv, visuell, taktil, olfaktorisch)
  • Taubheit - emotional und körperlich

Mehr Informationen zu SSP, seiner Wirkungsweise und den wissenschaftliche Studien finden Sie auch über die Homepage des internationalen Vertriebs Integrated Listening Systems.


Öfter so gut fühlen wie ein Fisch im Wasser

Sich so gut wie ein Fisch im Wasser fühlen
Unser Ebenbild im Wasser Photo by Louan García | Unsplash

Wir Menschen gehören physisch zu den Säugetieren und haben ein angeborenes Bedürfnis nach Sicherheit, Bindung, Beziehung, Kontakt. Dies ist kein Wohlfühlfaktor, sondern existentiell mit Leben oder Tod verbunden.

Je regulierter wir auf im ANS sind, desto besser sind wir in der Lage, uns zu steuern und sozial zugewandt zu sein, desto leichter fallen uns Veränderungen und desto einfacher können wir Vorhaben mit der richtigen Menge Energie in die Tat umsetzen. Ist z.B. innerlich der Sympathikus aktiver, sind wir energiegeladener unterwegs. Das ist gut, um zu handeln, zu joggen, zu kämpfen etc. Aber es ist nicht gut, um sich zu konzentrieren oder zu verdauen, Essen genauso wie Sinneseindrücke.

 

Unser Verhalten bzw. unsere Gefühlszustände (und selbst aber auch der Welt gegenüber) sind eine Abbildung des Zustands unseres Autonomen Nervensystems.

Ausgeglichen zu sein, bedeutet, der Mensch kann sich entspannen, sich zuwenden, zuhören, spürt sich selbst gut, ist flexibel und belastbar, steuert seine Beziehungen, seine Gefühle, hat Zugang zu seinen Stärken, seiner Kreativität, weiß, was er will oder braucht, kann eigene Fehler erkennen und verändern, lässt sich und den anderen Mensch sein. 

 

Kennen Sie das? Kontakt zu anderen ist ja schön und gut, aber eigentlich es wird Ihnen schnell zuviel davon?

Sprich: haben Sie das Gefühl, dass Sie der zwischenmenschliche Kontakt Sie mehr stresst als vielleicht nötig? Das könnte eben eine Dysregulation in der Anatomie des Social Engagement Systems sein. In ungünstigen Umständen fehlt das Gefühl für Sicherheit, das nötig ist, um ein ausgewogenes Nervensystem zu entwickeln. Ein traumatisch oder unsicher geprägter Mensch hat ein Nervensystem, das gerne in Aktivierung (Stress, Wut, Fluchtimpulse, Erstarrung etc.) geht oder sich ausschaltet (Depression, Dissoziation, Passivität, Sinnlosigkeit u.ä.).

 

Möchten Sie ... ?

  • sich außerhalb Ihrer eigenen Komfortzone sicherer fühlen?
  • sich besser konzentrieren können und Dinge zu Ende bringen, die Sie oft vor sich herschieben?
  • lebendiger an Gesprächen teilhaben können?
  • andere besser verstehen können und deren Absichten eher nachvollziehen?
  • entspannter sein, wenn Sie für Ihre eignen Wünsche eintreten müssen?
  • lockerer sein (einen ruhigeren Herzschlag haben), wenn Sie vor einer Gruppe sprechen?

Da all dies mit dem Social Engagement System zusammenhängt, kann SSP hier ein guter Ansatz sein. Denn nur "von oben", kognitiv-mental aus dem Großhirn, kommen Befehle oder Vorhaben oft nicht in Ihnen an bzw. halten nicht an, wenn darunter das ANS sein Eigenleben führt / dysreguliert ist. 


Was SSP nicht ist

Es ist keine Entspannungs- oder Meditationsmusik, es funktioniert nicht über binaurale / bilaterale Stimulation, es ist keine "Hörkur" und es funktioniert anders als die Tomatis-Methode. Es werden auch keine unterbewussten Botschaften vermittelt.